Radtour pro Organspende

Von Kerstin Klee

2 Tage und damit 175 Rad - km mehr in den Beinen,einige Erfahrungen reichen und vor allem sehr nette Menschen kennen gelernt – so ist meine Kurzbilanz. Es hat mir jedenfalls sehr viel Spaß gemacht, aber nun im Einzelnen:

Prof. Philipp

Am Dienstag klingelte um 6:00 Uhr der Wecker und um 8:00 Uhr saß ich mit meinem Vater im Auto und ab ging es nach Essen zum Treffpunkt. Dort erwarteten mich dann auch schon 2 Dialyse-patienten (Kathrin und Frank, die die ganze Tour begleiteten), 1 Herz transplantierter (Detlef - Tagesfahrer) und 4 Nieren transplantierte: Wolfgang, Bernd und Peter, die auch die ganze Tour begleiteten, sowie Jürgen, die treue Seele, die das Begleitfahrzeug fuhr, mit unserem Gepäck, den Getränken und den Energiespendern, wie Riegeln und Bananen. Jetzt waren wir fast vollständig, fehlte nur noch Prof. Philipp, Chef der Nephrologie in der Uniklinik Essen. Aber bei Ärzten muss man halt immer einen kleinen Bonus einrechnen. :-)

Dann setzte sich der kleine Trupp in Bewegung und fuhr Richtung Ruhr, von da aus ging es zügig Richtung Baldeneysee, wo wir unsere erste Trinkpause machten. Dort wurde Prof. Philipp gleich das Radtagebuch unter die Nase gehalten, damit er sich darin verewigen konnte. Ich hatte noch ein bisschen Schonfrist. Dann ging es weiter bis nach Mühlheim an der Ruhr, zum Marien Hospital, unserem 1. Etappenziel für diesen Tag. Bis dahin wurde während der ganzen Fahrt nur geschwätzt und gelacht.

Dort angekommen wurden wir sehr herzlich empfangen und bekamen ein „nierengerechtes“ Essen bestehend aus Kartoffeln, Reis, Bohnen, Hähnchenfleisch, Soße und Salat und als Nachtisch Vanilleeis serviert. Bernd (eine Niere :-)) jammert, er hätte gehofft auf der Tour ein bisschen abzunehmen, aber bei dem vielen Essen würde er bestimmt zunehmen. (Man muss bedenken, das wir bei jedem offiziellem Halt entweder 1 warmes Essen oder belegte Brötchen, Frikadellen, Obst und Getränke gereicht bekamen.) Danach war die Presse an der Reihe. Es wurden Fotos gemacht, Interviews gegeben, was seine Zeit dauerte. Vor der Abfahrt verlangten die Räder vom Prof und von Kathrin noch Luft, nur leider passte Katrins eigene Pumpe nicht auf das Ventil und die Suche ging nach der geeigneten Pumpe los. Danach starteten wir endlich Richtung Duisburg, unserem Endziel für die heutige Etappe, immer die Zeit im Auge, da wir auch dort von den Ärzten und der Presse pünktlich erwartet wurden. Begleitet wurden wir auf dieser letzten Etappe von 3 Mitfahrern der Selbsthilfegruppe.

Um 15:30 Uhr erreichten wir das Krankenhaus. Dort stand die Presse schon bereit und wir mussten für die Fotografen einige Ehrenrunden drehen, bis sie mit ihrem Bildmaterial zufrieden waren. Danach folgen Ansprachen vom Professor, von der Bürgermeisterin und wir standen den Reportern Rede und Antwort. Es folgte der gemütlichere Teil: Wir machen uns über das leckere Büfett her, das aus viel Obst, belegte Brötchen und jede Menge zu trinken bestand (zum Leidwesen einiger nur aus Wasser und Saft :-), das mineralische Weizenbier fehlt!). Deshalb stand fest, das wir auf dem Weg vom Krankenhaus zum Hotel (immerhin noch mal 15km) noch einen Nothalt einlegen würden, in einem Biergarten, direkt am Rhein. Diese Aussicht beflügelt die Herren der Schöpfung und weckte ungeahnte Kräfte. Als wir vom Krankenhaus wieder starteten (ohne Kathrin, die mit Jürgen im Auto schon zur Dialyse fuhr), legten sie gleich ein ordentliches Tempo vor. Mir fiel dazu nur ein, wenn sie den Tag morgen auch so angingen, bräuchte ich ein Lasso, um mich irgendwo einzuhaken, denn die morgige Tour ging über 90km. Ich hielt mich tapfer und kam ganz schön ins schwitzen, was ich auf den letzten 70km noch nicht geschafft hatte. Wolfgang fragte zwischendurch besorgt: Geht’s noch, wenn wir zu schnell sind, musst Du es sagen.... Aber ich wollte keine Blöße zeigen und trat ordentlich in die Pedalen, so schnell gebe ich nicht auf! Im Biergarten gibt es dann endlich die Mineralien, in Form vom „Russen“, das ist Weizenbier mit Limo, was aber der Dame am Tresen erst ausführlich erklärt werden muss. Ich blieb lieber bei Apfelschorle, um auch die letzten km gut zu überstehen.

Um 19 Uhr kamen wir dann endlich im Hotel an und ich hatte immerhin eine ½ Stunde Zeit zum Relaxen und zum Duschen und dann ging es ab in das nächste Lokal mit Gartenterrasse, denn es war noch so schön warm, das man prima draußen essen konnte. Außerdem mussten dringend Kohlenhydrate nach gelegt werden, damit wir für die morgige Tour genügend Energie hatten. Wolfgang hatte scheinbar ein großes „Defizit“ und verspeiste 2 riesige Portionen Nudeln!

Um 24 Uhr fiel ich totmüde ins Bett.

Am nächsten morgen ging um 7:00 Uhr wieder der Wecker, ab zum Frühstück und um 8h 40 saßen wir wieder auf unseren Rädern. Kathrin war an diesem Tag nicht mit am Start, da sie von Kopfschmerzen heimgesucht wurde. Dafür hatten wir Verstärkung von Walter, seit Januar Leber transplantiert und Gerd seit 4 Jahren Dialyse - Patient bekommen. Meine Hoffnung vielleicht von einer Frau Verstärkung (hinsichtlich der Temporeduzierung) zu bekommen löste sich in Wohlgefallen auf. Wir schlugen ein ordentliches Tempo an, meistens über 20 km/h. Die einzigen Verschnaufpausen, die mir blieben, bestanden aus den roten Ampeln. Und das am frühen Morgen. Stöhn. Ehrlich gesagt fiel mir die erste Stunde radeln in dem Tempo schon recht schwer. Ich brauchte eine Weile um auf Betriebstemperatur zu komme. Aber als wir dann in Kaiserwerth am Rhein ankamen und wir eine Trinkpause einlegten, wir waren nämlich hervorragend in der Zeit, wusste ich dann, warum ich schwächelte: Mein Blutzucker hatte schon gut die 100 – Marke unterschritten. Das hieß Bananen und Traubenzucker futtern. Und dann ging es vorerst im gemächlicherem Tempo weiter, etwa 18km/h. Bernd und Wolfgang hatten mich dann zwischen sich genommen, damit das Tempo nicht zu schnell wurde und ich mich regenerieren konnte. Was prima klappte, nach einer ¼ Stunde fühlte ich mich wieder recht fit und ich zog das Tempo wieder etwas an, denn auf dem Radweg am Rhein rollt das Rad hervorragend, wenn einem der Wind nicht gerade von vorn entgegen bläst. Wolfgang witzelte: Die Banane wirkt, wir können wieder Gas geben. So viel zu Doping!

Auf dem Weg nach Düsseldorf bekam meine Lunge dann Verstärkung: Fabian, vor 3 Jahren Lungen-TX. Er begleitete uns bis Köln. Wir beide stellten dann nach einiger Zeit fest, das wir uns schon mal begegnet waren, bei einer Veranstaltung in Köln im letzten Jahr. In Radkleidung sieht man halt ein bisschen anders aus und der Wiedererkennungseffekt braucht ein bisschen länger. :-)

Um 11 Uhr erreichten wir Düsseldorf, 1 Stunde vor unserem Termin im Ministerium. Da die Sonne so schön schien, genehmigten wir uns noch einen Kaffee auf den Rheinterrassen und ließen die Seele baumeln.

Pünktlich um 12 Uhr standen wir beim Ministerium vor der Tür. Natürlich wurde auch wieder ein Foto gemacht und danach gab es noch ein Gespräch zum Thema Organspende in NRW und wie man die Situation noch weiter verbessern könnte.

Weiter ging es im raschen Tempo nach Leverkusen. Unsere Durchschnittsgeschwindigkeit lag zwischen 17.5 und 18 km/h. Was zum Teil schon an die Leistungsgrenze heranging, da wir ordentlich Gegenwind hatten (Unsere Nieren waren einfach super fit!). Ich futterte fleißig Bananen, um meinen Zucker bei Laune zu halten und suchte mir die großen Herren aus der Truppe raus, um mich dann in deren Windschatten zu halten. So ließ sich das Tempo ganz gut schaffen. Andere Freizeitradler, die wir überholten, riefen uns immer wieder nach: Die sind alle gedopt! Was Bananen so alles ausmachen... ;-) Na ja ganz unrecht hatten sie ja eigentlich nicht. Ich z.B. muss mich mit „Epo“ dopen, um überhaupt einen normalen HB-Wert zu bekommen. Bei Frauen sollte er zwischen 12 und 14 liegen, ohne Epo liegt er bei mir bei 9-10 und da kann man keine Leistung mehr bringen, man ist nur noch müde und schlapp. Eine genauere Info dazu, warum wir erlaubt dopen, findet ihr hier:

http://www.novartistransplantation.de/pub/webtagebuch/doping_radtour2007.shtml

Fabian musste wegen dem Wind auch langsam Federn lassen. Da er seit einigen Monaten mit einer chronischen Abstoßung zu kämpfen hat, ließen die Kräfte langsam nach. Peter lieh ihm zeitweise seine Schulter, zum Anhängen. Eine Technik, die mir noch sehr gut aus meiner Zeit mit dem Sauerstoff bekannt ist, als ich keine Luft und Kraft mehr hatte. So blieben wir zusammen und er konnte ein bisschen seine Kräfte schonen.

Glücklich und zum Teil schon etwas geschafft erreichten wir Leverkusen. Dort wurden wir wieder gut versorgt, wir konnten uns erholen, während Wolfgang und die anderen noch der Presse die Fragen beantworteten.

Danach folgte der Endspurt für diesen Tag: Wir fuhren zu der Firma Shire, die auch Medikamente für Dialyse - Patienten usw. entwickelt (unter anderem „Epo“).

Dort gab es dann auch wieder einige Ansprachen. Mindestens 3 Zeitungen waren vor Ort, es wurden Interviews gegeben und viele Fotos gemacht. Nachdem sich der Rummel gelegt hatte, konnten wir uns endlich dem Grill widmen, der reichlich mit Fleisch und Würstchen bestückt war. Gemütlich saßen wir alle zusammen. Für mich war das leider der letzte Abend in dieser tollen Runde. Michael war auch schon aufgetaucht, um mich in Köln abzuholen. Wir blieben noch bis 21:00 Uhr. Ich hatte inzwischen auch das Radtagebuch in die Hand gedrückt bekommen und sollte mir was schlaues einfallen lassen. Grübel. - Ich bedankte mich mit einem Augenzwinkern für das Scheuchen auf dieser Tour und wünschte Ihnen weiter viel Erfolg. (Das „Scheuchen“ hängt mir bis heute noch nach :-))

Es war eine sehr schöne Zeit und das Fazit: nächstes Jahr werde ich wieder dabei sein und dann hoffentlich die ganze Tour.

Ich denke es wurde viel erreicht und die Kliniken waren über die Aktion sehr begeistert.

Wer mehr über den Verein „TransDia“ erfahren möchte, schaut einfach hier nach:

http://www.transdia.de

Auf dieser Fahrt hat sich jedenfalls gezeigt, auch aus den Erfahrungsberichten der Mitfahrer, wie viel Lebensqualität man durch den Sport erreichen kann und das, ganz egal welches Organ transplantiert wurde.